Der Ausbildungsreport 2020

Sandra

Sandra

Im Mai 2020 haben ausbildung.de und Potentialpark ihre Umfrage zur Lage präsentiert. Durch die Befragung von Schülern, Azubis und ausbildenden Unternehmen entstand der Ausbildungsreport. Der ergibt ein überraschendes, aber klares Bild für 2020 und darüber hinaus.

Wenn Sie sich also fragen, wie man Azubis am besten erreicht, was sie interessiert und was ihnen eigentlich wichtig ist, bekommen Sie hier die Antworten! Wir erklären Ihnen, was die Schüler bewegt, wie Sie die junge Zielgruppe auf Augenhöhe ansprechen und welche Unternehmen im dieses Jahr als gutes Beispiel – und als Inspiration – vorangegangen sind.


Inhalt

  1. Die überraschende Erkenntnis
  2. Die wichtigsten Ergebnisse des Azubi.Report 2020
  3. Best-Practice Beispiele / Preisträger Azubi-Umfragen 2020 „Bestes Unternehmen“
  4. Handwerksberufe, Studienabbrecher und der Bund als Arbeitgeber
  5. Fazit

Die überraschende Erkenntnis

Schüler sind am Fachkräftemarkt schwer umkämpft und Unternehmen müssen sich für Veränderungen und einen Zuwachs an Auszubildenden folgende grundlegenden Fragen stellen:

  • Versteht man die Zielgruppe wirklich?
  • Hat man für Azubi-Recruiting die richtigen Methoden?
  • Ist man diesbezüglich besser als der Wettbewerb?

Im Vorteil sind heute die Unternehmen, die vor 10 Jahren angefangen haben, digital am Ball zu bleiben. Die, die jetzt Webseiten mit relevantem Content und Social-Media-Kanäle haben, die gerade in dieser Pandemiekrise bespielbare Kanäle sind.

Wichtigste Erkenntnis der Studie, die überrascht:

Schüler, die den Schritt in das Berufsleben machen, wollen auf Augenhöhe (der Erwachsenen) angesprochen, wahrgenommen und behandelt werden. 
Kein TikTok, kein gezwungenes Du (nur wenn sich auch alle im Unternehmen duzen), kein gespieltes „wir sind jugendlich und tun mal so“, „gedrehtes Käppi“ und „Jugendslang“).

Die Schüler verlassen ihre Kinderzeit und bevorzugen authentische Unternehmen.

Sie wollen als Erwachsene wahrgenommen werden. Sie stellen sich ernsthafte Fragen und favorisieren:

  • Was passt zu mir?
  • Wo habe ich eine gute Zeit?
  • Wie steht es um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens?

Durch Corona kommen Fragen nach Sicherheit über Ausbildungsstart und Unternehmen hinzu. Hier kommen die bereits von Unternehmen etablierten Kanäle ins Spiel. Wer jetzt gut kommuniziert, ist klar im Vorteil.

Die wichtigsten Ergebnisse des Azubi.Reports 2020

Zeitraum: 11/2019 – 02/2020

Was die Schüler bewegt

Gesetzliche Neuerungen, die kurz vor Corona eingeführt wurden:

  • Mindestlohn für Azubis
  • Meister heißt jetzt Bachelor

Der Fachkräftemangel (z. B. Pflege, Krankenhaus) war auch schon vor Corona akut. Das sind gute Sachen, aber die Stellschrauben liegen in den Unternehmen.

Werden in der Schule Ausbildung und Studium als gleichwertige Möglichkeiten für die Zukunft kommuniziert? —> nur 27 % sagen ja

Kommunikation der Unternehmen

Zum Ist-Zustand der Kommunikation von Unternehmen:

  • 85 % geben grundlegende (Basis) Infos zu Ausbildungsplatz
  • Nur 9 % geben konkrete Einblicke in den Standort

Die Komplexität der Berufe, was erwartet den Menschen, wird nicht beschrieben. Die Schüler sind aber sehr unsicher, wissen nichts um die Berufswelt. Hier müsste man sie maximal an die Hand nehmen, mehr informieren über alles, was den Wechsel von Schule zu Beruf wichtig ist.

Beispiele:
Den Bewerbungsprozess offen legen

Nur 27 % fühlen sich für Auswahltests und Vorstellungsgespräche gut vorbereitet

  • Offenlegung des Bewerbungs-Prozesses im Unternehmen
  • Fragen zu Auswahltests zeigen
  • Kein Geheimnis daraus machen

Beantworten Sie auf Ihren Karriereseiten diese Fragen:
Wie lange dauert der gesamte Bewerbungs-Prozess?
Wie geht es jetzt weiter nach Abgabe der Bewerbung?
>> 72% der Unternehmen erwähnen nichts dazu auf ihrer Karriereseite
Welche Unterlagen werden benötigt und welche nicht?
Wo stehe ich als Bewerber im Prozess oder System?

Zusammengefasst für Unternehmen wichtig:

Aufklärung – Ausbildung als Alternative zum Studium
Transparenz – Einblicke in Alltag und Bewerbungsprozess
Kommunikation – schnell und erst recht in Krisenzeiten

Zudem müssen die Unternehmen die Lücke zwischen der Wahrnehmung und Wertigkeit von Ausbildung und Studium reduzieren.

Best Practise Beispiel: BOSCH zeigt alle Möglichkeiten und Ausbildungswege – „Hauptsache, du kommst zu uns“. Der Wechsel zwischen verschiedenen Ausbildungswegen wird nicht nur möglich gemacht, sondern zum Akquisemittel für neue Azubis.

Durch die zumeist reduzierte, gar falsche Kommunikation der Schulen ist die Flexibilität der Ausbildungswege den Schülern kaum bekannt. Hier kann man als Unternehmen klar punkten.

Die Ableitungen zur Kommunikation hier sind ganz deutlich.

ACHTUNG45 % würden nach der Vertragsunterschrift weiter nach einem besseren Ausbildungsplatz suchen. Das ist ein großes Problem bei Unternehmen, da jeder 5. Azubi nach Unterschrift abspringt.

Warum ist das so?

Nur 13 % aller Unternehmen kommunizieren Vorteile der Standorte und es vergeht oft eine lange Zeit von Unterschrift bis Ausbildungsstart. Zum einen muss mehr über den Ort, die Menschen kommuniziert werden, damit man sich als Unternehmen schon bis zur Unterschrift bestmöglich verankert, zum anderen ist das Bonding in dieser Zwischenzeit enorm wichtig, wenn man diese Absprungrate nicht haben will.

Bieten Sie auf der Webseite Service und Hilfe an:
Wie kann ich den Umzug leichter machen? (36 % würden umziehen) Umzugshilfe, Wohnung, Mobilität, Integration … hier sind nur Ihrer Fantasie Grenzen gesetzt.

Pre-Boarding ist wichtig. Bleiben Sie nach der Unterschrift dran! 
Beispielsweise eine WhatsApp-Gruppe bilden mit allen Azubis 2020, Grillabend für die Neuen usw. hier sind alle Bonding-Maßnahmen gut.

Für die Karriereseiten auf welchem Kanal auch immer gilt das Standort-Marketing ist wichtig:

Bilder vom direkten Arbeitsplatz, den Kollegen, Einblicke in den Berufsalltag. So transparent wie möglich zeigen und dem Azubi sagen, warum ist das ein cooles Team ist. Wer bildet mich denn genau aus? Was sagen die Azubis die schon da sind? Die BEST PRACTISE Beispiele der Studie sagen alle: wir lassen das durch unsere Azubis/Studenten umsetzen, sie betreuen die Instaaccounts, gehen mit auf die Messen, kommen zu Wort – sie boarden die neuen Azubis an das schafft Authentizität!

Wo finden Unternehmen denn jetzt die richtigen Bewerber?

»

50 % sagen Infos zu Unternehmen sind hier fehl am Platz; 

26 % sagen, es ist okay, wenn es gut gemacht ist«

Corona Zusatzfragen:

65 % wollen mit Unternehmen chatten  >> vs. << nur 13 % der U. bieten Chats an
42 % würden an digitalen Bewerbertagen teilnehmen (an digitalen Messen 36 %)
29 % nun noch stärker über Social Media Informationen suchen

Speziell zu Corona:
58 % der Schüler haben Angst, keine Ausbildung zu bekommen
78 % fühlen sich nicht ausreichend informiert
23% haben im laufenden Bewerbungsprozess keine Antwort auf Nachfragen diesbezüglich erhalten

DRAMATISCH: Corona-Information Unternehmen an Azubis/Schüler:
78 % – nicht ausreichend informiert
24 % – keine Reaktion auf konkrete Nachfrage dazu

»Niemals nicht antworten!«

Preisverleihung Azubi-Umfragen-2020 Bestes Unternehmen

Das sind die Sieger der Umfrage. Die Vertreter der Unternehmen haben die für sie relevanten Punkte, warum sie besser sind aufgeführt.

  1. Fresenius (Jürgen Muthig)
    • Berufsorientierung wird auf drei verschiedene Möglichkeiten ausgerichtet
    • schnelle Kommunikation, über viele Kanäle und seriös kommuniziert
    • bieten Bewerbertrainings für Schüler an
    • bieten Informationsnachmittage für Eltern von Schülern an
    • man kann sich komplett mobil bewerben, App
    • Bewerber kann sich seinen Gesprächstermin selbst aussuchen und buchen
    • Blog von und für Azubis; bei besonderen Einsätzen, Abteilungen, Erfahrungen

  2. Ergo (Manuela Wilk)
    • Messen und digitale Messen werden super angenommen
    • intensive Chatangebote
    • Azubis und Studis die da sind, werden insgesamt viel integriert
    • sie orientieren alles zeitlich auf den frühen Nachmittag (wenn die Schule aus ist)
    • sie werben stark im Social Media für Veranstaltungen

  3. Dräger (Anna Käßler)
    • Azubi-Workshops, z. B. zum Kennenlernen von agilem Arbeiten
    • sie helfen Azubis für die Entscheidungsfindung Was passt zu mir? Sie sind neu und ohne Wissen über Möglichkeiten im Berufsleben
    • Instagram wird von den eigenen Azubis betreut (authentisch)
    • neu: chat-Bot ist live; aus FAQ


Was fordern diese drei Unternehmen von Bewerbern ab?
Es ist immer noch ein Anschreiben oder man ist dazu übergegangen, 3 Fragen zu stellen, die beantwortet werden sollen (warum wir, warum du, was willst du).
Relevante Zeugnisse bleiben, aber Notenhürden oder Anforderungen haben die Meisten abgeschafft. Es werden bei Allen kleinere, digitale oder live Assessment-Center durchgeführt zur Eignungsprüfung und Kennenlernen.

Handwerksberufe, Studienabbrecher und der Bund als Arbeitgeber

Handwerk, Bau, Elektrotechnik – sind heutzutage weniger interessante Branchen und sie finden keine Azubis mehr. Woran liegt das? Tipp von Ausbildung.de: Eine ganzheitliche Darstellung ist heutzutage einfach notwendig. Menschen „alter Schule“ werden digital überhaupt nicht mehr wahrgenommen oder gefunden. Hier kann man sich aber gut zeigen, was ist das für ein cooles Team, gute Stimmung. Auch die Ausbildungsberufe haben alle ihre positiven Seiten, man verdient eventuell ganz gut, hier muss man alle Vorteile oder für wen das Spaß machen könnte und die Zukunftsaussichten darlegen. Ein Umdenken dieser Branche ist zwingend nötig!

Studienabbrecher sind ganz großes Potential
Das sind keine „Loser“, das sind Menschen, die was Besseres suchen, die offen sind für Neues – sie sind eher intrinsisch motiviert! Beispiel Ikea hatte konkret Studienabbrecher genau so angesprochen und erfolgreich gewonnen.

»Jeder 3. Studierende bricht seinen Studiengang ab,
60% wechseln in eine Ausbildung«

Der Staat als Arbeitgeber, Öffentlicher Dienst ist ein separater Bereich, der mit dem Markt oder die Freie Wirtschaft nicht zu vergleichen ist. Hier sind die Systeme zumeist total überaltert, wenige, die hier z. B. Polizei gut aufgestellt sind, aber i. d. R. sehr altmodisch sind.

Fazit

Azubis von heute wollen auf Augenhöhe angesprochen werden und sich bereits vorab, auch digital, ein glaubwürdiges Bild über ein Unternehmen machen. Am wichtigsten sind dabei die zukünftigen Kollegen, gelebte Chancengleichheit und eine gewisse Sicherheit für die Zukunft, bspw. durch Übernahme- und Karrieremöglichkeiten. Viele Schüler suchen Orientierung, nicht nur im beruflichen Umfeld. Chatmöglichkeiten, Kommunikation mit Studienabbrechern und die Digitalisierung von Bewerbungsprozess bis hin zum Assessment Center können echte Wettbewerbsvorteile darstellen.

Die Ergebnisse sind absolut wertvoll für Unternehmen, die ausbilden, HR-Marketing und Agenturen, die Unternehmen dabei unterstützen. Gern stehen wir Ihnen hier zur Seite.

Sandra Kothe

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